Schon mal was von Umerziehung gehört?

Zur erneuten Umerziehung der Intellektuellen 1968 Peking
1968 BildungsGut Umerziehung

Mich verfolgt das Thema schon lange. Im Jahr 1968 flatterte es bereits auf die Schreibtische etlicher Zeitgenossen. Auch später erhielten Abonnenten festland-chinesischer Revolutionspostillen eine Schrift, die zeigt wie Kulturrevolutionen funktionieren. Irgendwann lag es auch auf meinem Schreibtisch. Druckfrisch aus Peking. Etliche Leute, auch im Westen machten es so wie in Festland-China und chinesischen Sprachenschulen in Japan. Sogar Mandarin-Studenten aus dem Westen lernten dort Chinesisch, indem sie die Worte des Vorsitzenden Mao auswendig deklamierten. Wo man hinblickte “Umerziehung”. Am wichtigsten die der Intellektuellen. Von denen erhoffte man, daß sie einst in ihren Heimatländern – und weltweit – die Kulturrevolution vorantreiben würden. In vielen Fällen scheint es funktioniert zu haben.

Um es klar zu stellen: Ich war nicht dabei. Da ich mit einem widerspenstigen Gemüt gesegnet bin, blieb ich meist stiller Beobachter und Sammler. Zum Beispiel dieser Schrift zur Umerziehung: ZUR ERNEUTEN ERZIEHUNG DER INTELLEKTUELLEN die auf Chinesisch auch in Tokyo zirkulierte, wo ich als Studentin u.a. Chinesisch (Mandarin) Kurse belegt hatte. Neulich fiel mir dieses Büchlein wieder in die Hände. In fataler Weise erinnert es daran, was heute in unserem Land und in anderen Ländern geschieht. Hierzulande wird die Umerziehung natürlich mit anderen Mitteln erledigt. Subtiler. Mit einer anderen Form der Gewalt. Der sozialen Isolierung. Den Mitteln Verarmen, wirtschaftlich Ruinieren. Schleichende Prozesse der Entmündigung, Drangsalierung. Der tagtäglichen Maßregelungen. Unverändert: Hier wie dort. Gewalt in ihren vielen, auch subtileren Manifestationen.

Zum Beispiel Schmähkritik und Beleidigungsklage mit allen rechtlichen und gesellschaftlichen Folgen. Hier mein YouTube Kommentar zum neuesten Beispiel einer Umerziehung mittels eines Satzes in einer verunglückten Satire, der eine öffentliche und mediale Beleidigungs-Lawine auslöste:

“Endlich mal eine klare Analyse, wie Ludwig Erhard den Erfolg der Marktwirtschaft ermöglicht hatte, ohne die Wirtschaft und das eigene Volk gleichzuschalten und Arbeitnehmer unter das Existenzminimum zu zwingen! Ad Schmähkritik: Tichys Fall wird hoffentlich die Brisanz dieser Beleidigungsklagen deutlich machen. Mit Tichy hat es einen prominenten Journalisten getroffen. Doch seit Jahren werden bereits einzelne freie Autoren und Autorinnen angegriffen und mit Schmähkritik Anzeigen mundtot gemacht. Ziel ist es, unsere teuer errungene demokratische Meinungsfreiheit zu vernichten! Kritische, unabhängige Autoren sollen mittels Geldbußen und Unterlassungs “Vereinbarungen” existentiell ausgelöscht und wirtschaftlich vernichtet werden – einschließlich der Löschung aus den Archiven (!). Sie werden aus der Gesellschaft und aus dem Gedächtnis verbannt wie es einst u.a. mit der Methode Gulag versucht wurde.”

von Hanna Rheinz

Der Link zum youtube-Interview Samira Langer mit Roland Tichy von TICHYS EINBLICK:

https://www.youtube.com/watch?v=Cn86f7Wp2D4